10 Mythen über den Lokführerberuf – und was wirklich dran ist

Lesezeit: 8 Minuten

Du sitzt doch nur da und drückst Knöpfchen, oder? Wenn du als Lokführer arbeitest oder darüber nachdenkst, einer zu werden, kennst du diesen Satz wahrscheinlich. Und du weißt: Was viele über unseren Job glauben, hat mit der Realität auf dem Führerstand wenig zu tun.

Wir bei SOL Train sprechen jeden Tag mit Lokführern und mit Menschen, die es werden wollen, darunter Krankenpfleger, Köche, Bürokaufleute, Handwerker. Und immer wieder hören wir dieselben Mythen, die Leute davon abhalten, den Schritt überhaupt zu wagen. Zeit, mit den zehn hartnäckigsten aufzuräumen.

Mythos 1: Lokführer drücken doch nur Knöpfchen

Wenn du das einmal selbst gemacht hast, lachst du über diesen Satz. Als Triebfahrzeugführer bist du verantwortlich für eine Maschine, die 80 bis 1.000 Tonnen wiegt und in der schon mal 600 Menschen sitzen. Du liest Signale, kennst hunderte Streckenkilometer auswendig, reagierst auf Wetter, Bremswege, Funkdurchsagen, Notfälle.

Du bist gleichzeitig Techniker, Sicherheitsbeauftragter und Krisenmanager. Wenn ein Reh auf den Gleisen steht oder eine Oberleitung Probleme macht, bist du derjenige, der ruhig bleibt und die richtige Entscheidung trifft – innerhalb von Sekunden. Knöpfchen drücken? Eher Konzentration auf Pilotenniveau, acht Stunden am Stück.

Mythos 2: Da brauchst du eine bestimmte Vorbildung

Falsch. Für die Quereinsteiger-Umschulung zum Lokführer brauchst du keinen bestimmten Schulabschluss und keine bestimmte Erstausbildung. Was du brauchst, ist:

  • Mindestalter 20 Jahre
  • eine abgeschlossene Berufsausbildung (egal welche)
  • gute Deutschkenntnisse (B2)
  • medizinische und psychologische Tauglichkeit
  • technisches Verständnis und Verantwortungsbewusstsein

In den Umschulungen sitzen Bürokaufleute neben Handwerkern, Pflegekräfte neben Bäckern. Genau deshalb haben wir die School of Lok ins Leben gerufen. Weil wir wissen, dass die besten Lokführer oft die sind, die vorher etwas ganz anderes gemacht haben.

Die Umschulung dauert in der Regel 9 bis 12 Monate und die Kosten werden von der Arbeitsagentur komplett bezahlt.

Mythos 3: Das ist ein reiner Männerberuf

Stimmt historisch, heute zunehmend nicht mehr. Der Frauenanteil auf dem Führerstand liegt zwar bundesweit noch bei rund 4 %, steigt aber jedes Jahr. Wer behauptet, Frauen würden technisch oder konditionell den Job nicht packen, hat noch keine Lokführerin im Führerstand gesehen. Der Beruf ist körperlich nicht schwer, gut planbar und fair bezahlt – und genau das spricht sich gerade unter Frauen herum, die einen echten Berufswechsel suchen.

Mythos 4: Mit den Schichten geht jedes Familienleben kaputt

Verständliche Sorge, aber so pauschal stimmt es nicht. Was viele unterschätzen:

  • Lokführer kennen ihre Schichten wochenlang im Voraus, Tarifverträge regeln das verbindlich.
  • Es gibt garantierte freie Wochenenden und Feiertage pro Jahr.
  • Du hast oft mehrere Tage am Stück frei, was Reisen und Familienzeit einfacher macht als ein klassischer 9-to-5-Job.
  • Wer bei einem Personaldienstleister wie SOL Train fährt, kann oft Einsatzgebiete und Modelle mitgestalten – das schafft zusätzliche Planbarkeit.

Klar: Wenn du dir eine 40-Stunden-Woche von Montag bis Freitag wünschst, ist Schichtdienst nicht für dich. Aber wenn du Flexibilität schätzt, dazwischen längere Auszeiten genießt und nicht jeden Tag im selben Büro sitzen willst, dann ist Schichtdienst eher Vorteil als Nachteil.

Mythos 5: In ein paar Jahren fahren die Züge eh autonom

Diese Befürchtung hören wir oft. Und wir verstehen sie, weil Tech-News voll sind von autonomen U-Bahnen in Asien. Aber: Im deutschen Streckennetz mit gemischtem Verkehr, ungesicherten Bahnübergängen, alten Stellwerken und tausenden Sondersituationen sind vollautonome Züge auf absehbare Zeit nicht realistisch.

Die Allianz pro Schiene schätzt, dass bis 2034 jährlich rund 7.500 neue Lokführer eingestellt werden müssen, nur um den Bedarf zu decken. Wer heute den Schein macht, hat über Jahrzehnte einen sicheren Arbeitsplatz.

Mythos 6: Über einen Personaldienstleister landet man auf dem Abstellgleis

Vorurteil aus alten Zeitarbeits-Klischees – und im Lokführerbereich besonders falsch.
In der Eisenbahnbranche gilt:

  • Lokführer über Personaldienstleister werden dauerhaft überlassen (ANÜ), nicht von Job zu Job geschubst.
  • Du fährst bei verschiedenen Eisenbahnverkehrsunternehmen: mehr Abwechslung, mehr Erfahrung, mehr Strecken im Lebenslauf.
  • Wenn ein Einsatz nicht passt, hast du uns als festen Arbeitgeber im Rücken und musst nicht selbst suchen.

Wir sehen das jeden Tag: Wer bei uns anheuert, bleibt – weil die Bezahlung stimmt, die Betreuung persönlich ist und niemand auf dem Abstellgleis landet.

Mythos 7: Der Job ist einsam und monoton

Der Führerstand ist kein Großraumbüro, das stimmt. Aber wer glaubt, Lokführer verbringen ihre Schichten in trübseliger Einsamkeit, hat den Beruf nicht erlebt. Kein Tag ist wie der andere: wechselnde Strecken, unterschiedliche Triebfahrzeuge, andere Wetterbedingungen, unvorhergesehene Situationen. Dazu kommt regelmäßiger Kontakt mit Disponenten, Kollegen bei Übergaben und dem Personal der Eisenbahnverkehrsunternehmen.

Und wer den Unterschied zwischen einem Tunnel in Bayern und einer Küstenstrecke an der Nordsee kennt, weiß: Monoton ist anders.

Mythos 8: Der Quereinstieg klappt nur für junge Leute

Irrtum. Die Umschulung zum Lokführer steht grundsätzlich jedem offen, der die Zulassungsvoraussetzungen erfüllt. Und es gibt keine starre Altersgrenze nach oben, solange die medizinische Tauglichkeit gegeben ist. Tatsächlich wechseln viele Menschen in den Dreißigern oder Vierzigern in diesen Beruf, oft mit jahrelanger Erfahrung aus ganz anderen Branchen im Gepäck.

Lebenserfahrung, Belastbarkeit und Verantwortungsbewusstsein. Eigenschaften, die mit dem Alter oft wachsen, sind auf dem Führerstand mehr wert als ein junges Datum im Personalausweis.

Mythos 9: Die Ausbildung ist nur etwas für Technikfreaks

Klar, technisches Grundverständnis schadet nicht. Aber wer denkt, man müsse schon als Kind Eisenbahncataloge auswendig gewusst haben oder Schaltpläne lesen können, liegt falsch. Die Umschulung bringt dir alles Nötige bei. vVon Grund auf, strukturiert und praxisnah.

Was viel wichtiger ist: Konzentrationsfähigkeit, Zuverlässigkeit, ruhiges Handeln unter Druck und ein Gespür für Verantwortung. Das sind die Qualitäten, die einen guten Lokführer ausmachen. Technisches Wissen lässt sich lernen – diese Eigenschaften nicht so leicht.

Mythos 10: Der Lokführermangel ist übertrieben

Gelegentlich liest man, die Personalprobleme bei der Bahn seien vor allem ein Streik- und Managementthema. Doch der strukturelle Fachkräftemangel ist real und durch Zahlen belegt. Eine ganze Generation erfahrener Lokführer geht in den kommenden Jahren in Rente, während die Nachfrage nach Schienenverkehr – im Güter- wie im Personentransport – weiter steigt.

Die Lücke, die dadurch entsteht, lässt sich nicht durch Automatisierung schließen. Jeder ausgebildete Lokführer, der heute den Schein in der Tasche hat, ist ein gefragter Fachmann, nicht einer von vielen.

Häufige Fragen zum Lokführerberuf (FAQ)

Wie lange dauert die Umschulung zum Lokführer? 9 bis 12 Monate Vollzeit, je nach Bildungsträger und Vorkenntnissen.

Welche Voraussetzungen muss ich für den Quereinstieg erfüllen? Mindestalter 20 bis 21 Jahre, eine abgeschlossene Berufsausbildung (egal welche), B2-Deutschkenntnisse sowie die medizinische und psychologische Tauglichkeit.

Kann man als Quereinsteiger bei SOL Train anfangen? Ja, über unsere School of Lok bilden wir gezielt Quereinsteiger zu Lokführern aus. Vorkenntnisse aus der Bahn brauchst du nicht.

Werden Lokführer in Zukunft noch gebraucht? Ja, und zwar dringend. Bis 2034 müssen jährlich rund 7.500 neue Lokführer eingestellt werden, um den Bedarf zu decken.

Gibt es eine Altersgrenze für den Quereinstieg? Eine starre obere Altersgrenze gibt es nicht. Entscheidend sind die medizinische Tauglichkeit und die Zulassungsvoraussetzungen – nicht das Geburtsdatum.

Du überlegst, Lokführer zu werden?

Wir bei SOL Train haben den Quereinstieg zum Kerngeschäft gemacht. Weil wir glauben, dass dieser Beruf zu schade ist, um an Mythen zu scheitern. Wenn du dir vorstellen kannst, Verantwortung zu übernehmen, in einer der wichtigsten Branchen des Landes zu arbeiten und dabei fair bezahlt zu werden: Schreib uns. Wir beantworten alle deine Fragen – auch die, die du dich bisher nicht getraut hast zu stellen.

Weitere Artkel

Mallard 1938: Der Dampflok-Rekord, der seit 88 Jahren steht

Am 3. Juli 1938, kurz nach 17 Uhr, beschleunigte eine glänzend-blaue Dampflokomotive auf einem leicht abschüssigen Streckenabschnitt der East Coast Main Line, zwischen den Dörfern Little Bytham und Essendine in Lincolnshire, England, auf eine Geschwindigkeit, die seitdem keine andere Dampflok der Welt erreicht hat: 202,58 km/h.

Read more >
Rote Rangierlokomotive an einem Containerterminal

War die Bahn früher wirklich pünktlicher? Ein Faktencheck.

Früher kam die Bahn doch noch pünktlich.
Hast du den Satz schon gehört? Wahrscheinlich. Vielleicht hast du ihn selbst schon gesagt, verärgert am Bahnsteig, während die Anzeige zum dritten Mal von +15 Min auf +30 Min springt. Es ist eines der am häufigsten geteilten Bahn-Klischees in Deutschland.

Read more >

Orient-Express: Wie viel davon ist Marke, wie viel echte Geschichte?

Wenn du den Namen Orient-Express hörst, hast du sofort ein Bild im Kopf. Vielleicht ist es der schmale Korridor mit dem dunklen Holz und den Messingleuchten. Vielleicht eine Frau im Pelz, die durchs Fenster auf eine verschneite Alpenlandschaft blickt. Vielleicht Agatha Christie, vielleicht Hercule Poirot. Vielleicht James Bond.

Read more >