Lokführer werden ab 45. Geht das noch?

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„Bin ich dafür nicht zu alt?“ Diese Frage landet bei uns fast jede Woche im Postfach. Und fast immer mit einem Nachsatz: „Ich bin 44.“ Oder 47. Oder 52. Dahinter steckt selten Neugier. Dahinter steckt meistens jemand, der seinen alten Beruf nicht mehr bis zur Rente machen will oder kann. Und der sich fragt, ob ein Neuanfang überhaupt noch drin ist.

Wir könnten jetzt mit Paragraphen antworten. Machen wir auch, weiter unten. Aber zuerst wollten wir jemanden fragen, der genau diese Frage für sich selbst schon beantwortet hat.

Einer unserer Lokführer hat diesen Weg gemacht. Er war 45, als er sich für die Weiterbildung zum Lokführer entschieden hat und hatte über zwanzig Jahre in seinem alten Beruf hinter sich.

Station 1: Der Moment, an dem klar war: So nicht bis 67!

Die meisten, die mit Mitte 40 zu uns kommen, haben kein Problem mit Arbeit im Allgemeinen. Sie haben ein Problem mit dem Job, den sie gerade machen. Der Rücken, die Knie, der Betrieb, der dichtmacht, der Chef, der sich blöd verhält. Oder einfach das Gefühl, dass 20 weitere Jahre im selben Job keine Perspektive sind, sondern ein Aushalten. Berufswechsel jenseits der 40 sind übrigens kein Randphänomen: Rund ein Drittel der über 40-Jährigen in Deutschland arbeitet nicht mehr im erlernten Beruf. Und die meisten wechseln nicht wegen des Geldes, sondern wegen der Tätigkeit selbst (oder dem Umweld).

„Ich hab morgens im Auto gesessen und gedacht: Das machst du jetzt noch zwanzig Jahre? Der Rücken hatte schon mit Anfang 40 angefangen, sich zu melden. Auf den Beruf Lokführer bin ich über einen Bekannten gekommen. Der hat gesagt: Die suchen Leute, und nicht nur die 20-jährigen. Erst hab ich ihn schief angeguckt, dann hab ich mich aber mal ein bisschen informiert. das war dann der Anfang von einem ganz neuen Kapitel für mich.“

Was das Gesetz sagt: Es gibt kein Höchstalter

Die Triebfahrzeugführerscheinverordnung (TfV) kennt nur ein Mindestalter: 20 Jahre. Ein Höchstalter kennt sie nicht. Was zählt, ist die Tauglichkeit: diese Prüfung musst du bestehen, also körperlich und psychologisch tauglich sein und wenn da spasst, kann’s losgehen.

Gut zu wissen: Mit 45 wird nichts anderes geprüft als mit 25. Gleicher Sehtest, gleicher Hörtest, gleiche Anforderungen. Das Alter ändert nur eines, und das erst später: Bis 55 wird die ärztliche Untersuchung alle drei Jahre wiederholt, danach jährlich (TfV, Anlage 11). Die psychologische Eignung wird einmal festgestellt und gilt unbefristet, solange nichts Gravierendes passiert.

Auch die Statistik ist auf deiner Seite: Die meisten Quereinsteiger sind zwischen 30 und 50 Jahren alt, aber sogar Teilnehmer über 50 und 60 machen regelmäßig ihren Schein und fahren danach unbefristet.

Übrigens: unser GF Chris hat mal einen Kollegen ausgebildet, der seine Prüfung mit 65 bestanden hat! Nicht als Ausnahme mit Sondergenehmigung, sondern ganz regulär: Tauglichkeit, Theorie, Praxis, Prüfung, Führerstand. Wenn das mit 65 geht, ist 45 nicht spät. Merkste selber, oder?? 🙂

Station 2: Die Tauglichkeitsuntersuchung

Das ist die Stelle, an der bei vielen der Kopf anfängt. „Ich habe eine Brille.“ „Mein Blutdruck ist nicht der beste.“ „Ich schlafe schlecht.“ Joaaa, manches davon ist relevant, manches gar nicht. Geprüft werden Sehen (mit Korrektur ist in Ordnung, entscheidend ist das Farbsehen), Hören, Herz-Kreislauf, Blut- und Urinwerte, unter anderem auf Alkohol und Drogen. Dazu kommt der psychologische Teil: Konzentration, Reaktion, Belastbarkeit unter Zeitdruck.

Station 3: Zurück auf die Schulbank

Die Ausbildung in der School of Lok dauert 9 bis 12 Monate in Vollzeit: 226 Ausbildungstage, 1.575 Unterrichtseinheiten Theorie, 440 Unterrichtseinheiten Praktikum. Die Theorie findet in Hamburg statt, das Praktikum bundesweit auf realen Strecken. Am Ende stehen acht Qualifikationen, darunter der Triebfahrzeugführerschein Klasse B.

Was das Lernen mit 45 angeht: Ja, es ist viel Stoff. Signale, Bremsen, Fahrzeugtechnik, Betriebsvorschriften. Aber du lernst nicht allein und nicht aus dem Nichts. Deine Gruppe bleibt vom ersten bis zum letzten Tag dieselbe. Ein großer Teil passiert am Simulator und im Führerstand, nicht am Schreibtisch. Und wer 20 Jahre in einem Handwerk oder in der Logistik gearbeitet hat, kennt Vorschriften, Abläufe und Verantwortung schon. Er muss sie nur in eine neue Sprache übersetzen.

„Ich hab jeden Abend eine Stunde Karteikarten gemacht, Signale, Signale, Signale. Am Simulator war ich dann plötzlich vorne, weil ich nicht so schnell nervös werde. Vor der Prüfung hab ich schlechter geschlafen als vor meiner Hochzeit. Bestanden hab ich trotzdem.“

Chris, der bei uns mit ausbildet, sieht das von der anderen Seite des Tisches:

„Die Älteren fragen mehr und schreiben mehr mit. Die wollen verstehen, warum etwas so ist, nicht nur wie. Und sie sind pünktlich, immer. Der Kollege, der mit 65 seine Prüfung gemacht hat, hatte im Simulator mehr Ruhe als die meisten Zwanzigjährigen. Wenn etwas schief läuft, wird der nicht hektisch, er bewahrt Ruhe. Genau das willst du vorne auf der Lok haben.“

Station 4: Wer bezahlt das eigentlich?

Die Ausbildung kostet Geld, und mit 45 hast du selten die Rücklagen, um ein Jahr ohne Einkommen zu überbrücken. Musst du auch nicht. Der häufigste Weg ist der Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters. Eine Altersgrenze gibt es dafür nicht. Gefördert wird, wenn die Weiterbildung Arbeitslosigkeit beendet oder abwendet. Übernommen werden dann in der Regel die Lehrgangskosten, dazu Fahrtkosten und bei Bedarf Kinderbetreuung.

Der zweite Weg ist gerade für die Generation 45+ wichtig: Wenn du deinen alten Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kannst, klassisch nach Jahren auf dem Bau, in der Pflege oder in der Logistik, kann die Deutsche Rentenversicherung die Umschulung als Leistung zur Teilhabe am Arbeitsleben finanzieren. Voraussetzung ist meist eine Wartezeit von 15 Versicherungsjahren, die mit 45 fast jeder erfüllt. Während der Ausbildung gibt es dann Übergangsgeld. Alle Wege im Detail: Wer zahlt die Ausbildung zum Lokführer?

„Ich war noch angestellt, aber der Betrieb hat Leute abgebaut, also galt ich als von Arbeitslosigkeit bedroht. Beim Termin bei der Agentur hatte ich alles dabei: Tauglichkeitsnachweis, Beratungsprotokoll der Schule, Starttermin. Die Sachbearbeiterin hat gesagt: So vorbereitet kommt selten jemand. Kurze Zeit später war der Bildungsgutschein da. Mein Rat: Hör unbedingt auf die Schule und bereite alels gut vor. Das musst du ja nicht allein machen, die helfen die bei jedem Schritt. Umso reibungsloser läuft dann alles.“

Station 5: Familie, Nachtschicht und die ehrliche Rechnung

Wir reden das nicht klein: Lokführer sein ist Schichtarbeit. Früh, spät, nachts, am Wochenende. Mit Kindern zu Hause ist das eine Umstellung, und sie betrifft nicht nur dich. Was hilft: Dienstpläne kommen mit Vorlauf, Ruhezeiten sind gesetzlich geregelt, und viele Familien stellen nach ein paar Monaten fest, dass mehrere Ruhetage am Stück mehr wert sind als ein kurzer Feierabend oder doch nochmal spontan am Wochenende los weil der Chef ruft.

„Zu Hause kam als Erstes die Frage: Und die Nachtschichten? Das haben wir ehrlich durchgesprochen, mit allem, was dazugehört. Heute kennen wir den Dienstplan im Voraus. Das ist planbarer als mein alter Job mit den ständigen Überstunden. Was schwerer war als gedacht: die erste Nachtschicht, da war ich um drei Uhr morgens hellwach und um sieben fertig. Was besser war: Ich hab unter der Woche freie Tage. Die hatte ich vorher nie.“

Und dann die Rechnung, die wir jedem vorlegen, der fragt, ob es sich noch lohnt: Mit 45 startest du die Ausbildung. Mit 46 sitzt du im Führerstand, unbefristet, mit Einstellungsgarantie nach bestandener Prüfung, mit Grundgehalt und Zulagen kannst du bis zu 4.500 Euro netto im Monat verdienen. Bis zur Rente liegen dann rund 20 Berufsjahre vor dir. Das ist kein Auslaufmodell. Das ist (d)eine zweite Karriere!

„Ich hab mit 45 gedacht, ich fange noch mal ganz von vorn an und fand die Aussicht ehrlich gesagt etwas erschreckend. Aber dann hab ich gemerkt: das stimmt nicht. Ich hab alles mitgenommen, was ich konnte (Erfahrung, Reife, alles wa smich ausmacht), und mache jetzt nur was anderes damit. Körperlich geht es mir besser als vorher und auch privat ist trotz neuer Herausforderung viel mehr Ruhe als vorher.“

Dein nächster Schritt

Wenn du gerade überlegst, mach es in dieser Reihenfolge:

  1. Tauglichkeit zuerst. Bevor du irgendetwas planst, klärst du die medizinische und psychologische Eignung. Wir vermitteln dir gern den Termin. Ist das Ergebnis positiv, ist die Altersfrage vom Tisch.
  2. Beratungstermin bei uns. Wir schauen gemeinsam auf deinen Werdegang, deine Voraussetzungen und den nächsten Starttermin.
  3. Finanzierung klären. Bildungsgutschein, Rentenversicherung, Arbeitgeber oder Eigenfinanzierung: Welcher Weg zu dir passt, steht hier: Wer zahlt die Ausbildung zum Lokführer?

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